Gerhard Mevissen

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Gerhard Mevissen - Newsletter im Januar 2019

Brief aus dem Atelier 66 - Januar 2019


Liebe Freundinnen und Freunde kontemplativer Kunst!

M it der Neugestaltung der Startseite meiner Homepage zum Thema „Briefe aus der Stille“, knüpfe ich an einen Gedanken im letzten „Brief aus dem Atelier“ an. In ihm sprach ich vom Bild als Brief, der zwischen Betrachter*innen und ihren Erinnerungsinseln Verbindungen stiften kann.

Startseite der Homepage

D ie Tage zwischen Weihnachten und Neujahr sind noch nicht fern. In sie trete ich alljährlich ein wie in eine feierliche Stille. Ihrer Zeitlichkeit wohnt etwas Besonderes inne. Diese Tage zwischen den Jahren erlebe ich als eine eigene Jahreszeit, die sich durch alle Lebensjahre hindurchzieht. Dann erreichen mich andere Gedanken und Gefühle, entlegene Erinnerungen. Oft kehren dann verstorbene Menschen aus dem eigenen Leben ein: Sie setzen sich wie selbstverständlich mit an den Tisch des Hauses. Mein Blick wandert vor und zurück. Es herrscht eine ganz eigenartige Gegenwart an diesen Tagen. Sie ist intensiv gefüllt von dem Früher und Später des Lebens.

M ich beschäftigt an diesen Tagen besonders eindrücklich der Wandel unserer aktuellen Zeit. Politisch gesehen befinden wir uns in wirren und unübersichtlichen Gemengelagen: Einerseits eskalieren im öffentlichen Raum so viel Wut, Aggression und Hass, andererseits sind so viel Zukunftsangst und Ohnmachtsgefühle, so viel Rückzug ins Private zu erleben. Fehlen in unserer Zeit große Erzählungen von einer besseren Zukunft, mit denen frühere Generationen Krisen und Katastrophen durchgehalten und überwunden haben oder werden sie nicht gehört?

I mmer wieder geht mir dann der biblische Abraham durch den Sinn. Zu seiner Zeit war das göttliche Verheißungswort die große Erzählung vom „Land, wo Milch und Honig fließen“. Mit ihm irrten die Menschen in den Wüsten umher: Die Verheißung wanderte ganz konkret mit ihnen. Sie war ein herumgetragenes Wort auf der Suche nach einem besseren Leben, wegführend von den Säumen wachsender Wüsten und kargen Weidegründen.

T ragen wir doch auch unsere kulturellen Schätze mit uns umher: Das Kulturelle, das Poetische, das Spirituelle, wandern wir mit ihm durch all die heutigen Irrungen und Wirrungen

H eute gibt es viele Verunsicherte, die leichte Beute von Populismus werden können, der sie mit aus der Zeit gefallenen, anachronistischen Rezepten zu beeinflussen versucht. Die scheinbar zukunftslose Gegenwart legt sich bei vielen wie eine bleierne Schwere auf den Lebensmut. Was kann hier die Kunst tun?

G ehen wir mit der Kunst durch die vieldeutigen Bilder, bleiben wir in Kontakt mit der Vielfalt, dem Rätselhaften, dem Mystischen. Vermeiden wir die Vereinfachungen des Schwarz-Weiß ohne Graustufen.

I n der Welt um uns herum wird mehr und mehr alles vereindeutlicht: Schwarz oder Weiß, Ja oder Nein, Für oder Wider. Immer häufiger wird eine vermeintliche Sicherheit daraus gezogen, alles grob zu schnitzen und klipp und klar zu machen. Aber es ist dann wie im Bild: Verlieren wir den Reichtum der Zwischentöne, die Beweglichkeit des Ausbalancierens einer momentanen Bedeutung, wird es zu einem stummen Gegenstand. Im Zwischen, an der Grenze, in den Brüchen und Fragmenten ist viel Leben zu lernen.

D urch zu viele einfache Antworten verlernen wir zu fragen. Die guten Fragen drohen verloren zu gehen, bis es am Ende niemand mehr versteht, sie zu stellen, ja, weiß, dass es sie gibt.
Das empfinde ich als eine inspirierende Aufgabe von Kunst für eine bessere Zukunft: gute Fragen einzusammeln und sie in ihrer Vielfalt schöpferisch zu verdichten.

Z um Schluss sei eine väterliche Note erlaubt: Bald werden wir als Familie nach Berlin fahren, um dort die erste Lesung des Debütromans unserer Tochter Katharina mitzuerleben. Unter dem Titel „Ich kann dich hören“ (Wagenbach Verlag) tritt sie ein in den Beruf der Schriftstellerin. Eine große Freude für uns alle.

Herzliche Grüße,
Ihr Gerhard Mevissen
Monschau, 22. Januar 2019